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Die ungarische Gemeinde in Hagen

Mehr als 200 000 Ungarn flüchteten nach der blutigen Niederschlagung des Volksaufstandes 1956 in Ungarn in den Westen. Einige von Ihnen landeten schließlich in der Umgebung von Hagen. Pfarrer Károly Bányász, Ungarnseelsorger in den Bistümern Paderborn, Münster und Osnabrück suchte diese einsamen Menschen auf und gab ihnen in der Kapelle im St. Josef Krankenhaus durch die Heilige Messe in der Muttersprache, durch Gespräche und Beratung eine kleine „Heimat“.

Ermöglicht wurde dieses durch die St. Josef Gemeinde in Altenhagen vertreten durch den damaligen Pfr. Otto Luster. So wurde in den Jahren 1957 und 58 der Grundstein für die heutige ungarische Gemeinde gelegt, die noch heute das Gastrecht in Altenhagen genießt.

Unsere Schar wuchs, als angeworbene ungarische Arbeitnehmer aus der Vojvodina ab 1966 dazu kamen. Bald wurden auch die ersten Babys in die Messe mitgebracht. Die familiäre Gemeinschaft wurde zusammengehalten von der Begeisterung und grenzenlosen Hilfsbereitschaft des Pfarrers Károly Bányász.

Ein schönes Zeichen der Gemeinsamkeit im Glauben war, daß ein deutscher Mitarbeiter des Krankenhauses über 10 Jahre lang in unserer Messe diente. Oft waren auch Schwestern und Patienten dabei.

Ab 1972 unterstützte das Harmonium der alten Kapelle den Gesang, gespielt von der Musikpädagogin und Sängerin lldikó Münnich-Ákontz. Mit den Kindern übte sie kleine traditionelle Spielszenen ein, die von Völkerkundlern in von Ungarn bewohnten Gebieten gesammelt und während der Messen vorgetragen wurden.

Als das Krankenhaus umgebaut wurde, zogen wir auch mit der Kapelle um, mal auf den Dachboden, mal in den Keller. Dort fand auch unser erstes Krippenspiel statt, weitere folgten als wir in die schöne, neue Kapelle umzogen. Seit dieser Zeit war es auch möglich im Gemeindehaus für die Kindergruppe Gedichte, Musikstücke und Tänze zu üben, die sie bei verschiedenen Festen wie z.B. Familiennachmittag Muttertag, und Herbstfest vorführen konnten. Zu unserer Freude war auch Pfr. Wilhelm Bolte oft dabei, ebenso später seine Nachfolger Pfr. Klaus Theine und jetzt Pfr. Dieter Osthus, Dekan in Hagen, denen wir sehr dankbar sind für ihre Gastfreundschaft. Aus der Kinderschar entstand im 1982 die Volkstanzgruppe Vadrózsa (Wildrose).

Bei der Beerdigung von Pfr. Bányász (1985) lernten wir den pensionierten Klosterseelsorger Pfr. A. Drozdik aus Köln kennen und baten ihn, für uns die Messe zu lesen. Trotz seiner schweren Krankheit und seines hohen Alters kam er 5 Jahre lang mit dem Zug zu uns.

Anlässlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II 1987 in Deutschland, wurden wir gebeten, im Programm vor der hl. Messe im Gelsenkirchener Stadion mit unserer Tanzgruppe aufzutreten.

So entstand auch eine Erwachsenengruppe, die seitdem bei vielen Anlässen Tänze von verschiedenen ungarischen Gegenden gezeigt hat. Die entsprechenden Trachten haben wir zum größten Teil selber genäht.

Ende der 80-er Jahre kamen Flüchtlinge aus Siebenbürgen hinzu, die unter dem Terrorregime von Ceausescu zu leiden hatten. Alleine, dass sie hier ihre ungarische Traditionen (Lieder, Tänze) pflegen konnten, ohne Angst haben müssen, dafür ins Gefängnis zu gehen, war für sie das Zeichen der Freiheit. Danach folgten die Ungarn aus den Kriegsgebieten des ehemaligen Jugoslawien.

Alle, ein Leben lang harte Arbeit gewöhnt, haben sich hier – auch mit Unterstützung unserer Gemeinde - eine neue Existenz aufgebaut.

1991 wurde schließlich Pfr. István Bagossy im Beisein von Dekan Franz-Josef Ostrup in das Amt als Ungarnseelsorger eingeführt. Auch diesmal hatten wir Dr. Ottó Fejõs den Ausländerbeauftragten der deutschen Bischofskonferenz aus München zu Gast.

Pfingsten 1992 spendete Bischof Attila Miklósházy aus Amerika in einem feierlichen Hochamt unseren Jugendlichen das Sakrament der Firmung.

Im Rahmen eines Renovabis Aktion war Msgr. Imre Kozma der Vorsitzende des ungarischen Malteser Hilfsdienstes in Hagen. Nach einer gemeinsam gestalteten Messe informierte er sich bei einer gemütlichen Gesprächrunde über die Tätigkeiten unserer Gemeinde.

2006 besuchte uns der päpstlichen Delegat Msgr. Dr. Ferenc Cserháti. Nach dem feierlichen Hochamt genoß er unsere Gastfreundschaft und das Kulturprogramm. Zum Abschied wünschte er uns weiterhin so erfolgreiche Gemeindearbeit.

Es wird jeweils am 1. Sonntag im Monat eine Messe in ungarischer Sprache gelesen.

Des Weiteren finden traditionelle Feste wie Adventssingen, Nikolausfest, Krippenspiel, Muttertag, Grillnachmittag, Herbstfest u.s.w. statt, an denen Jung und Alt zusammen feiern können. Dieses trägt auch zur Festigung der Gemeinschaft und der Pflege der Traditionen bei.

Unsere Gemeindemitglieder kommen aus den verschiedensten Berufszweigen wie Elektrotechniker, Lehrer, Krankenschwestern, Stahlarbeiter, Ärzte, Künstler u. v. a. Viele sind in deutschen Organisationen und Gemeinden ehrenamtlich tätig. Dies ist für uns selbstverständlich, denn wir wollen uns nicht abgrenzen, sondern nur unsere Traditionen und Kultur bewahren, weitergeben und auch denen etwas Halt geben, die vielleicht Schwierigkeiten haben, sich einzuleben.

So beteiligen wir uns immer wieder gerne mit Spiel, Speis und Tanz an den verschiedenen Festen der St. Josef Gemeinde. Ebenso nehmen wir an internationalen Freundschaftsreffen in verschiedenen Städten mit Infozelt, kulinarischen u. kulturellen Angeboten teil. Für den Erhalt und Pflege der ungarischen Kultur im Ausland wurde die Leiterin unserer Tanzgruppe, Frau Ildikó Münnich-Ákontz, mit dem Ritterkreuz zum Verdienstorden der ungarischen Republik ausgezeichnet.

In Hagen waren wir u. A. an dem Bürgerfestival zum Stadtjubiläum „Markt der Vereine“, am Internationaler Jugendtreff ("Let’s camp") am Projekt „Fremdes Hagen“, am multikulturellen Empfang des Hagener Oberbürgermeisters zum internationalen Frauentag oder an den Internationalen Folklorefestivals beteiligt. Auch mit Konzerten und ungarischer Literatur erfreuen wir des Öfteren das Hagener Publikum. Die anlässlich des Jubiläumjahres 2007/08 veranstaltete Ungarische Kulturwoche, bei der Künstler aus Ungarn und Hagen auftraten, hat auch beim deutschen Publikum großen Beifall geerntet. Ebenso unser Beitrag im Jubiläumsprogramm 100 Jahre Theater Hagen im 2011 und im Konzert-Klangrede 2014.

Wir haben freundschaftliche Verbindungen auch mit ungarischen Gemeinschaften in anderen Städten und pflegen gute Kontakte zu verschiedenen Organisationen und Vereinen, deutscher und anderer Nationalitäten.

Wir denken, dass wir durch unsere Tätigkeiten die Hagener Kulturlandschaft bereichern und zur Verständigung zwischen den Völkern beitragen.

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